Österreich bleibt standhaft - Rainhard Fendrich meldet sich in der Jahrhunderthalle zurück

Liedermacher Rainhard Fendrich gastierte auf seiner „Schwarzoderweiß“-Tour und zeitlosen Hits in der Jahrhunderthalle.

Quelle: Frankfurter Neue Presse

 

Ein Zitat von Jimi Hendrix über die Macht der Liebe aus dem Mund dieses Österreichers – kaum zu glauben, aber wahr. Auf den ersten Blick ein smarter Unterhalter, entpuppt sich der in ein paar Tagen 62 werdende Songwriter als Mahner und Aufklärer, der die Welt ein wenig besser macht, als sie momentan ist. Fendrich, von 12 reflektierenden Silberquadraten spektakulär auf der Bühne illuminiert, führt den Schönheitswahn mit Botox-gespritzen Gesichtern ad Absurdum und erinnert an Zeiten, als er mit Carmen Nebel in der TV-Sendung „Ein Kessel Buntes“ in der DDR auftrat. Dieser Erfahrung verleiht er in dem Lied „Frühling in Berlin“ klangschön Ausdruck.

„Wer schützt Amerika“ schließt er an. Und mit Grüßen an den mächtigsten Mann der Welt teilt er mit, eine Mauer habe noch nie Menschen beschützt, sondern stets nur getrennt. Musikalisch kommt das neue Programm unprätentiös daher. Fendrich verlässt sich auf seine aus fünf Musikern bestehende Band, die seine Hits aus drei Dekaden in ein gefälliges, nie zu rockiges Klangbild hüllt. „Es lebe der Sport“, die Eröffnungsnummer des fast ausverkauften Konzerts, erkennt man erst beim Refrain, ebenso „Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehn?“, die Hommage an seine Geburtsstadt. „Schwarzoderweiß“, Titelsong des aktuellen Albums, warnt davor, die Dinge nur aus der einen oder anderen Perspektive zu betrachten. Vielfalt in Gedanken und Worten ist die Parole des Abends, die der inzwischen ergraute, aber trotzdem juvenil und fit aussehende Musiker ausgibt. Dass es dazu nicht unbedingt eines Smartphones bedarf, ist eine weitere Erkenntnis, die in Liedform ihren Ausdruck findet.

Alpenländer Fendrich ist charmant und elegant, spricht in Songs Probleme an, die die Menschen bewegen. Der „Tango korrupti“ etwa behandelt üble Machenschaften in den oberen Etagen der Banken, „Schreib ma ka Mail“ beschwört die Bedeutung persönlicher Beziehungen, „Du bist schön“ sinniert darüber, dass man auch ohne chirurgische Eingriffe altern kann. Und dann ist noch der persönliche Fendrich zu erleben, der ergreifend von seinen Niederlagen berichtet: „Es tut so weh, wenn man verliert“. Die von ihm komponierte heimliche Nationalhymne seinen Heimatlands, „I Am From Austria“, platziert er nicht am Ende des langen Abends, sondern bescheiden mitten im Programm.

Der schlanke Entertainer in Jeans und Hemd gibt sich als Kavalier alter Schule, der Werte wie Treue und Verlässlichkeit in alten und neuen Stücken feiert, ohne allzu moralisierend und lehrerhaft zu wirken. „Tränen trocknen schnell“, singt er und erinnert an die Kraft des Verzeihens. Den verworrenen Zeiten kontert er auf seine Art: mit der Gitarre in der Hand und Texten, die ebenso zeitlos wie nachhaltig sind.

Foto: Sven-Sebastian Sajak