Rainhard Fendrichs Reise durch die Zeit (Mittelbayerische.de)

Rund 5000 Besucher erlebten in der Donau-Arena ein Best-of-Rainhard Fendrich-Konzert. Vor allem seine alten Hits zündeten.

Quelle: Mittelbayerische.de

Es war 1988, als der Titel „Macho, Macho“ an der Spitze der deutschen und österreichischen Hitparaden stand, der Titel über das „Unterhosen Model“ auf keiner Party fehlen durfte und Rainhard Fendrich zum absoluten Star wurde. Nahezu 30 Jahre später, am Dienstagabend in der Regensburger Donau-Arena, zündete der Song, in dem sich der österreichische Schmäh so wunderbar mit einer eingängigen Melodie und einem geradezu genialen Text vereint, immer noch. Der mittlerweile 62-jährige Rainhard Fendrich kann stolz sein auf eine Karriere, die nun schon über 35 Jahre andauert und deren Hits aus der Anfangszeit nach wie vor in den Köpfen vieler Menschen präsent sind.

Als Rainhard Fendrich in der Donau-Arena vor seine rund 5000 Fans trat, war es ein entspanntes und unaufgeregtes Zusammentreffen wie bei alten Freunden, die sich zusammengefunden haben, um über alte Zeiten zu plaudern und auch das eine oder andere aktuelle Thema zu besprechen. Unprätentiös und gut gelaunt betrat der österreichische Sänger und Entertainer die Bühne, leger gekleidet in Jeans und schwarzes Hemd, die vollen grauen Haare zurückgekämmt, im Gesicht sehr jugendlich und vital wirkend.

Eine Verneigung vor dem Publikum

Die vielen Stationen seines künstlerischen Lebens wurden bereits vor Beginn der Show an der Projektionswand im Hintergrund visuell abgearbeitet, ehe Fendrich mit der Gitarre in der Hand und seiner fünfköpfigen Band im Rücken seine ganz eigene Sporthymne „Es lebe der Sport“ (1982) anstimmte. Damit hatte er sein Fan-Publikum natürlich sofort bei sich, die meisten konnten den Song auswendig mitsingen und taten dies auch voller Genuss. Den zweiten Pfeiler für einen gelungenen Abend schlug er gleich anschließend mit „Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?“ (1985) ein, ehe er das Publikum begrüßte. Mit leichter Wehmut in der Stimme erinnerte er sich an die Zeiten, als „die Musik noch rund und schwarz war und sich appetitlich auf einem Teller gedreht hat“. Später witzelte er über die Abhängigkeit der Menschen vom Smartphone und vom Internet, als er seinen Song „Stell dir vor, es gibt koa Internet“ (2016) vorstellte.

Ob es ihm auf die Nerven gehe, wenn er immer wieder seine alten Hits singe, werde er oft gefragt, erzählte Fendrich grinsend. „Wenn man seinen Beruf liebt, dann ist das eben nicht so“, erklärte er und trat den Beweis dafür zur großen Freude des Publikums an. Alle geliebten Hits durfte das begeisterte Fan-Publikum hören: „Strada del sole“ (1981), „Tango korrupti“ (1989), „Oben ohne“ (1982), „Gestern hat mi’s Glück verlassen“ (1980), „Blond“ (1997) und „Schickeria“ (1981). Die meisten dieser „uralten“ Songs sang Fendrich allein mit der Gitarre und nahm so das Publikum mit auf eine intime Veranstaltung, in der das Pompöse eines trendig aufgetunten Hits keinen Platz hat. Das Publikum dankte ihm diese Verneigung vor den Fans mit begeistertem Applaus und dem Mitjohlen – soweit die Textsicherheit reichte.

Die Band Rainhard Fendrichs zeichnete sich im ganzen Verlauf des Konzerts durch die Professionalität der Musiker aus, die zwar ihr Können in allen Facetten zeigten, jedoch den Künstler im Vordergrund beließen und dessen Hits nicht überfrachten. Auch wenn man Rainhard Fendrich vordergründig als sarkastisch-süffisant grinsenden Vertreter des Wiener Schmähs in allen Themenwelten kennt, so hat der österreichische Künstler auch ernste Seiten und ganz klare politische Botschaften. In seinem jüngsten 17. Studioalbum, das Ende 2016 erschienen ist und den Titel „Schwarzoderweiß“ trägt, widmet er sich dem Thema Rassismus. Im gleichnamigen Song warnt er davor, die Dinge nur aus einer Perspektive zu betrachten und sagte in Regensburg: „Ob ein Mensch gut oder schlecht ist, lässt sich nicht an der Hautfarbe erkennen. Natürlich muss sich ein Rechtsstaat gegen Angriffe wehren, aber es darf kein Generalverdacht gegen alle Hilfe suchenden Menschen und gegen alle Religionen erhoben werden. Das ist ein Weg in die Barbarei. Die Meinungsfreiheit ist ein Recht. Rassismus jedoch ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“, konstatierte Fendrich und wurde mit tosendem Applaus für seine Positionierung bestärkt.

Das Höchste der Gefühle

„Brüder“ hieß das Lied, das er als Bestätigung seiner Aussagen folgen ließ. Dass die rechtspopulistische Partei FPÖ seinen, als inoffizielle Nationalhymne geltenden Song „I am from Austria“ für eigene Werbezwecke missbraucht habe und dass er auch gerichtlich nichts dagegen habe unternehmen können, hat Rainhard Fendrich nachhaltig geschmerzt, und das war deutlich auch beim Konzert in der Donau-Arena zu spüren. Mit „Wer schützt Amerika“ ging Fendrich auch auf den neuen amerikanischen Präsidenten ein, dem „die Hybris eines Diktators“ zu eigen sei. „So sieht es aus, wenn plumper Populismus in die Realität umgesetzt wird“, sagte Fendrich.

Gerne erinnert sich der österreichische Künstler an seine Anfänge zurück, als er zum Beispiel mit einer noch ganz jungen Carmen Nebel in der DDR die Sendung „Ein Kessel Buntes“ moderiert hatte. „Frühling in Berlin“ ist die Hommage an dieses Gefühl, das kurz vor dem Fall der Mauer geherrscht habe. Lange jedoch bleibt Rainhard Fendrich nicht im Ernsten verhaftet. Der Song „Ich kämpfe um die kühle Liselotte“, in dem er die Erotik des Verstandes anpreist, erinnert an den Rainhard Fendrich von früher – ebenso witzig, nur gereifter und auch ein klein wenig manieriert. Schließlich verteilte der Österreicher noch einen Querschläger gegen den Schönheitswahn und die Angst vor dem Alter(n). Er sprach von Botox-Gesichtern, die „nach unbekannt verzogen sind“, Frauen, die sich operativ „verbessern“ ließen und sich einer „kranken Schönheitsphilosophie“ beugten.

Dem setzte er ein kompromissloses und garantiert altersunabhängiges „Du bist schön“ entgegen, dem das Publikum hoch erfreut applaudierte. Fendrich bedankte sich für die rückhaltlose Begeisterung, die ihm in der Donau-Arena entgegenschlug mit dem Song „Das Höchste der Gefühle“: Für ihn, gestand Fendrich demütig angesichts Tausender Fans, bedeute dies, auf der Bühne zu stehen und für die Menschen singen zu dürfen.